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25.12.2006

Schön, euch zu sehen!

Bisher liegt hinter mir eines der abenteuerlichsten Weihnachten ever. Das ist alles sehr chaotisch. Und es gibt auch Gründe, weshalb man hier so lange nichts von mir gelesen hat. Ich hätte auch einfach nicht eher was schreiben können.

Aber der Reihenfolge nach.

Am Freitagabend war mir nach Ausgehen. So als prophylaktischer Ausgleich vor den Familienfeiern. Und wenn ich aufm Swutsch bin, dann nutze ich gern meine Kontaktlinsen. Irgendwie merkte ich aber am Freitag, dass ich um Helles immer eine Corona sehe. Das hatte ich schonmal und schob es auf die Linsen. Am anderen Tag hatte ich damals wieder klar gesehen. Ich hatte am Freitag meine Brille durch Zufall dabei und hab die Linsen rausgenommen, aber die Augen wurden nicht besser.
Nachts bin ich dann im halben Blindflug wieder nach Hause. War eigentlich mehr verboten als wirklich gut, aber es hat ja geklappt. Ich wollte dann schlafen, was mir nicht wirklich gelungen ist. Die Augen wurden immer schlimmer. Es tränte und brannte und ich war unwahrscheinlich lichtempfindlich.

Gegen 9Uhr hab ich es dann nicht mehr ausgehalten und beschlossen, mich in ärztliche Obhut zu geben. Da ich nicht mehr gucken konnte, habe ich erstmal die Polizei angerufen, damit sie mich an den Arztnotruf durchstellt. Die Dame dort hat mir dann die Nummer eines Augenarztes genannt. Und dessen Nummer hab ich dann halt mehr tastend als sehend ins Handy eingegeben. Er wäre um 11Uhr in seiner Praxis. Nur, wie kommt man dahin? Ein Taxi hätte mich gefahren. Aber dann wäre ich noch lange nicht in der Praxis.

Aber zum Glück gibt es ja Verwandschaft. Ich habe Cousine H. angerufen, die mich trotz Vorweihnachststress zum Doc gefahren hat. Zu dem Zeitpunkt war ich ein Häufchen Elend. Zwar frisch geduscht. Aber ich konnte mich leider kaum noch aufrecht halten vor Schmerz. Denn meine Augen tränten und brannten und ich konnte es überhaupt nur ertragen, wenn ich den Kopf nach unten gebeugt habe. Sah sehr albern aus, ging aber nicht anders. Besonders erschreckend ist es wohl, mich leidend zu sehen. Weil ich sonst immer kess durchs Leben schreite, bin ich mir selber fremd, wenn ich Schmerz erleide und rumjammere. Aber es ging nicht anders.

Also: H. fährt mich zum Doc. Dort führt sie mich zur Theke und der Arzt geleitet mich in den Behandlungsstuhl. Dann kommt das, wovor ich am meisten Angst hatte, aber auch, worauf ich mich am meisten gefreut habe. Die Augenärzte haben so Lidocain-haltige Tropfen, die die Augen sofort betäuben. Aber ich hatte so einen Schiß, die Augen zu öffnen zum Tropfen, dass ich am liebsten durch die Decke gegangen wäre. Aber mit einiger Dominanz ist dem Arzt das dann auch gelungen. Diagnose: Hornhautreizung durch die Linsen. Er hat dann noch ne Salbe reingeschmiert, mir 10Euronen abgeknöpft und mir ein Rezept ind die Hand gedrückt. Übrigens muß man die 10Euro Praxisgebühr bei Notfällen nochmal extra zahlen, auch wenn man in dem Quartal schon bei einem Arzt war. Sei es drum.

Die Tropfen wirkten noch ein wenig nach und wir sind dann zur Apotheke. Aber schon auf dem Weg dahin ließ die Wirkung nach. Und Frl T. verwandelte sich zusehends wieder in ein Häufchen Elend. Der Apotheker hat mir dann noch ne Dosis Salbe verabreicht. Und daheim bin ich ins Bett gefallen. Aber an Schlaf war vor Schmerz nicht zu denken. Die einzige einnehmbare Körperhaltung bestand in der sogenannten Schildkrötenhaltung. Also hinknien, Po auf die Fersen und Stirn auf die Matratze. Irgendwie konnte ich den Schmerz nur so einigermaßen ertragen.

Im Laufe des frühen Nachmittages rief dann H. nochmal an, wie es mir ginge und ob wir nochmal zum Arzt fahren sollten. Bei mir ging garnichts mehr. Ich wußte nicht, wie ich das überleben sollte....
In der Zwischenzeit hatte ich meinen Eltern Bescheidgesagt, dass ich wohl im Laufe des Samstages nicht in die Heimat kommen könnte (so wie verabredet), sonder erst am Sonntag wieder fahrtpüchtig wäre.
H. fuhr mich dann nochmal zum Doc, wo ich wieder ein jammerndes Etwas war. Aber nicht mehr ganz so schlimm wie Morgens. Wie ein Junkie um einen Schuß bettelt, so habe ich ihn angefleht, mir doch von den Tropfen zu geben. Aber er meinte, dass die die Sache nur verschlimmern würden, da sie sehr aggressiv seien.
Schließlich hatte er erbarmen und hat mir eine Kapsel mit einem Superschmezhammermittel gegegeben. H. führ mich heim. Dort dann noch einen nassen Waschlappen auf die Augen und irgendwann bin ich dann traumlos entschlummert. Nach ein paar Stunden bin ich wieder wach geworden und der schlimmste Schmerz war vorbei. Sehen konnte ich aber immernoch nicht wirklich. Aber zumindest wieder orientieren.

Die Nacht habe ich dann auch noch gut geschlafen und morgens mußte ich mich dann so langsam entscheiden, ob und wie ich zu meinen Eltern komme. Schließlich sollte es ja abends Bescherung geben. Zuerst war ich noch frohen Mutes meinen silbernen Flitzer selber gen Nordosten zu steuern. Aber als ich den Wagen auf die andere Straßenseite gefahren hatte und mal die Straße heruntergeschaut habe, ist mir klar geworden, dass ich so gut wie garnichts sehe. Und dass es wirklich nicht klug wäre selber zu fahren.

Ich hab dann noch zwei Stunden Schlaf meinen Augen gegönnt. Aber auch danach war es nicht wirklich besser. Also: Schwesterchen anrufen und sie ist dann mit dem Zug aus Münster gekommen, um mich mit meinem Auto zu meinen Eltern zu fahren. Den Weg zum Bahnhof habe ich leidlich geschafft. Aber die lange Strecke (ca. 2Stunden Autobahn) hätte ich nie geschafft. Wir haben dann noch einen Schlenker über Münster gemacht (kein wirklicher Umweg) und waren dann irgendwann endlich an meinem Elternhaus angekommen.

Dieses Jahr haben wir dann die Reihenfolge umgetauscht: Sonst ist es "Evangelium lesen", "Singen", "Bescherung" und "Essen". Aber weil wir so einen Hunger hatten (ich hatte seit Freitagabend nichts mehr gegessen), haben wir "Bescherung" und "Essen" kurzerhand getauscht.

Das Essen (Fondue) war lecker wie selten. Und die Bescherung war auch schön. Ich habe schöne Dinge bekommen und die Beschenkten haben sich auch gefreut.

Schwesterchen hat von Mama eine Gemüsereibe bekommen. Und hat die gleich an ihrem Daumen ausprobiert.

Heute morgen konnte ich dann endlich wieder so klar sehen, dass ich mich orientieren kann. Ich kann wieder lesen und sogar am Computer arbeiten. So richtig 100% ist es noch nicht. Aber das wird morgen wieder werden.

Alles Mitlesenden wünsche ich an dieser Stelle noch ein besinnliches Weihnachtsfest. Ich hoffe, dass ihr bei bester Gesundheit seid und die Tage geniessen könnt. Und für mich hat der Spruch "Ich freue mich, dich zu sehen!" eine ganz neue Bedeutung bekommen.

 

Kommentarstatus

hui, das klingt ja richtig übel! wünsche Ihnen trotz allem noch ein paar erholsame restfeiertage und gute genesung für die augen ...

Veröffentlicht von: padre | 25.12.2006

Danke für die Wünsche. Auf jeden fall bin ich inzwischen wiedder fit genug zum Surfen im Netz.... *lächel*

Veröffentlicht von: trillian | 25.12.2006

oh mann... gute besserung wünsche ich ihnen. dieses thema ist mir leider nicht unbekannt...

Veröffentlicht von: Ad | 26.12.2006

Tolle Weihnachten.. :-| *tröst*

Veröffentlicht von: Besim | 26.12.2006

na Du machst vielleicht Sachen! Mit den Augen ist nicht zu spassen. Ich wuensche Dir ganz gute Besserung und schone Dein Auge besser noch etwas anstatt stundenlang zu surfen.

Veröffentlicht von: Codo | 26.12.2006

Vielen Dank für euer Mitgefühl. Inzwischen kann ich wieder einigermaßen Autofahren ohne die gelbe Binde um die Tür zu wickeln. Ich bin wieder bei 95% Sehkraft angelangt. Mal schauen, was die Woche noch bringt.

Es war schön heute der Verwandschaft sagen zu können: "Schön dich zu sehen!"

Veröffentlicht von: trillian | 26.12.2006

Medizinische Notfälle scheinen ja dieses Jahr weinachtliches Adendum zu sein.

Veröffentlicht von: Tom | 26.12.2006